Fahrradkurse für geflüchtete Menschen: Zu Besuch bei der Internationalen Fahrradwerkstatt

Das Ziel der Internationalen Fahrradwerkstatt in der Oxford-Kaserne: Möglichst viele Flüchtlinge sollen sich in Münster mit dem Fahrrad bewegen können. Wir haben die Einrichtung besucht.

Noch etwas wacklig, aber zufrieden fährt Ameenah Taha* mit einem, zugegeben etwas in die Jahre gekommenen Fahrrad über den Innenhof der ehemaligen Oxford-Kaserne. Ihre drei Kinder, nicht älter als 8 Jahre, grinsen Bernd Brixius glücklich an: “Mama, hat gut geübt, oder?”

Bernd Brixius arbeitet ehrenamtlich in der internationalen Fahrradwerkstatt. Streng, aber trotzdem zufrieden schaut er der geflüchteten Syrerin zu, wie sie das Rad zurück zum Eingang der Werkstatt schiebt. Eine Unterschrift später gehört es fürs erste ihr – ohne einen Cent zu bezahlen.

Ihre Kinder müssen sich noch gedulden. “Versucht es nächste Woche nochmal, Kinderfahrräder haben wir im Moment leider nicht” meint Bernd Brixius zuversichtlich. Er ist auf die Hilfe der Münsteraner angewiesen.

In Münster geht nichts ohne “Leeze”

Die internationale Fahrradwerkstatt möchte Geflüchteten ermöglichen, mobil zu sein und sich zu integrieren. Und was ist man in Münster schon ohne eine “Leeze”? Deshalb können sich die Geflüchteten in der Oxford-Kaserne an Bernd Brixius und sein Team wenden. Hier können sie sich dauerhaft ein eigenes Fahrrad leihen.

Blick in die Internationale Fahrradwerkstatt

Die Internationale Fahrradwerkstatt lebt vom Enagement der ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen.

Das erleichtert in Münster nicht nur immens den Alltag, es verschafft auch ein gefühl der Zugehörigkeit. Ohne dieses Projekt wäre ein Fahrrad für die meisten geflüchteten Familien unerschwinglich.

In den letzten drei Jahren haben Münsteraner knapp 1.500 Räder gespendet, was Bernd Brixius nach wie vor überwältigt: “Das ist der schöne Teil der Arbeit, weil man dann mitbekommt, dass nicht alle Menschen sofort komisch über Flüchtlinge denken, sondern, dass es in Münster auch eine große Hilfsbereitschaft gibt”.

Verschiedene Nationen arbeiten Hand in Hand

Nina Brauckhoff (rechts) und eine weitere Praktikantin

Natürlich könnten es mehr sein, vor allem Kinderfahrräder fehlen, aber auch so hat das Team der internationalen Fahrradwerkstatt genug zu tun: Die gespendeten Räder werden registriert, auf ihre Verkehrstauglichkeit geprüft und gegebenenfalls repariert.

Viele verschiedene Nationen arbeiten Hand in Hand: Es ist ein wilder Kulturenmix aus verschiedenen Sprachen, wilden Gesten zur Verständigung und gegenseitiger Hilfsbereitschaft auf dem Innenhof der Oxford-Kaserne, aber vor allem scheinen alle Ehrenamtler, egal welcher Herkunft, zufrieden und stolz auf ihr Werk zu sein.

Etwas Abseits von Leih-Verträgen, Fahrradpumpen und Kettenöl baut Nina Brauckhoff gerade einen Parcours aus Hütchen für die Kinder der Helfer und Fahrrad-Leiher auf. Sie macht gemeinsam mit anderen Studenten gerade ein Praktikum in der internationalen Fahrradwerkstatt und konnte sich sofort für die Arbeit mit den Kleinsten begeistern.

Im wilden Fahrradverkehr Münsters

“Das Coole an dem Projekt ist, dass die Kinder einfach mal raus kommen und miteinander spielen und dass wir uns intensiv mit den Kindern beschäftigen können und ihnen sogar Fahrrad- oder Inlinerfahren beibringen”, erzählt sie.

Neben dem Training für die Kinder können auch Erwachsene Fahrradkurse besuchen. Sie lernen, sich im wilden Fahrradverkehr Münsters zurecht zu finden, während die Kinder bei Nina Brauckhoff und ihren Kollegen gut aufgehoben sind.

Schon sicher im Sattel?

Bernd Brixius

Bernd Brixius ist es wichtig, dass jeder, der ein Fahrrad leiht, auch sicher damit fahren kann. Schließlich ist eine Verletzung oder ein Sturz das letzte was er möchte – durch sein Engagement soll kein Verkehrschaos ausgelöst werden. Deshalb muss jeder einmal zeigen, dass man sich, mehr oder weniger, sicher im Sattel halten kann, nur dann bekommt man ein Rad.

Bernd Brixius betont immer wieder, dass jeder bei der internationalen Fahrradwerkstatt willkommen ist: Nicht nur, wenn man das Fahrradfahren erlernen will, selbst wenn man nur sein eigenes Rad reparieren will, wird einem dabei geholfen. Besonders freuen sich alle aber natürlich über neue Helfer, egal welcher Herkunft, um gemeinsam Geflüchtete ein Stück mehr in Münster zu integrieren.


Möchten Sie der internationalen Fahrradwerkstatt Räder spenden, Fahrradfahren lernen oder einfach mitschrauben?

Einfach vorbeikommen: jeden Freitag, 15-18 Uhr auf dem Gelände der ehemaligen Oxford-Kaserne, Roxeler Straße 340
Webseite der Internationalen Fahrradwerkstatt

* Name von der Redaktion geändert

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